Warum der Kinderwunsch kein Tabuthema sein sollte

Wie ihr bestimmt gesehen habt, erwarten wir im September unser so sehr gewünschtes Geschwisterchen für David ❤️ Der Weg zu diesem Glück war diesmal etwas steiniger als beim ersten Mal aber dazu später mehr.

Endlich schaffe ich es nämlich, dieses so wahnsinnig wichtige Thema auch in einen Blogbeitrag zu packen, und hoffe ich kann damit vielleicht sogar anderen KIWU-Mädels helfen, denn bei uns gab es einen medizinischen Grund dafür, warum wir auf unser 2. Wunder länger warten mussten... und dieser konnte - erst einmal erkannt - schnell und einfach behoben werden, aber lest selbst.

 

Warum ich es schnell bereut habe, kein Geheimnis aus unserem (erneuten) Kinderwunsch zu machen

Für Mr Right und mich war schon früh klar, dass wir eines Tages Kinder haben möchten. "Zwei oder drei, mal sehen." Schon vor unserer Hochzeit haben wir uns Gedanken über "den perfekten" Zeitpunkt gemacht und nach der Hochzeitsreise wollten wir dann langsam loslegen. Ehe wir die Worte ausgesprochen hatten, hatte ich Silvester 2017 auch schon einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wir konnten es gar nicht glauben, dass wir so schnell mit unserem kleinen Wunder belohnt wurden, insbesondere da ich zu diesem Zeitpunkt schon rund zehn Jahre die Pille genommen und diese eben erst abgesetzt hatte. Den Rest der Geschichte kennt ihr ja und nun ist unser David schon 19 Monate bei uns und wir lieben ihn über alles.

Wir hatten immer den Wunsch, dass David ein Geschwisterchen bekommen sollte und wir haben auch kein großes Geheimnis daraus gemacht, dass der Altersunterschied nicht zu groß sein sollte, damit die beiden möglichst viel zusammen lernen und erleben können und voneinander haben. Gerade weil es beim ersten Mal so schnell geklappt hatte, sind wir sehr offen damit umgegangen, dass wir nun bereit für ein Geschwisterchen waren und hoffentlich schon bald guter Hoffnung sein würden. Und da war er auch schon, der Haken an der Sache: Die Monate vergingen, nichts geschah. Zahlreiche Tests blieben negativ und ich blickte immer wieder in erwartungsvolle Gesichter bei Freunden und vor allem der Familie. Alle warteten förmlich darauf, dass man irgendwann plötzlich den Aperitif ablehnte oder musterten einen genau (und nicht so unauffällig wie sie dachten) ob man nicht doch schon eine kleine Wölbung unter dem Pulli sah. Diese Blicke taten doppelt weh, da man ja selbst schon fast wahnsinnig wurde und sich jedes Monat wieder vergeblich schwor, diesmal keinen Test zu machen, um sich die Enttäuschung zu ersparen.

Ich weiß, dass wir mit unseren knapp 7 Monaten Wartezeit noch zu den glücklichen Paaren zählen und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss, jahrelang auf ein kleines Wunder warten zu müssen oder dieses vielleicht niemals in den Armen halten zu dürfen. Vor all diesen Paaren habe ich den größten Respekt und wünsche ihnen von Herzen, dass sie dieses Wunder auch erleben dürfen. Auch wenn wir vergleichsweise kurz warten mussten ist es mir dennoch wichtig, euch unsere Geschichte zu erzählen, weil ich glaube, dass sie Paaren (die nicht ohnehin schon in Kinderwunschbehandlung sind) helfen könnte, schwanger zu werden.

 

Wie der Zufall uns zur Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch führte

Natürlich macht man sich als Paar in unserem Alter (26 bzw 27 zu Beginn des 2. KIWU) noch keine Gedanken, dass es tatsächlich eine ernste Ursache haben könnte, warum man nicht schwanger wird. Gerade dann nicht, wenn man doch nur kurze Zeit davor schon ein gesundes Kind zur Welt gebracht hat und das auch noch "auf Anhieb". So haben auch wir Monat für Monat einfach weiter versucht und gehofft, dass unser Wunder den Weg zu uns findet. Nach etwa einem halben Jahr kamen mir langsam Zweifel, da wir aufgrund von Ovulationstests auch relativ genau sagen konnten, dass wir eigentlich "alles richtig machten" ;-) Warum wurde ich dann nicht schwanger?
Wie der Zufall (in meinen Augen ist es Schicksal aber nennt es, wie ihr wollt) es wollte bekam ich plötzlich Probleme mit meinem Magen. Immer wieder wurde mir nach den Mahlzeiten übel und ich hatte mit starken Magenkrämpfen zu kämpfen und das viele Wochen bevor ich mich dazu entschied, dies mit einem Arzt zu besprechen. Ich ging also zum Hausarzt und der startete zunächst mit einem Blutbild. Als der Blutbefund kam, meinte er bloß, dass er am Befund keine Ursachen für die Magenschmerzen finden könne und so folgten später weitere Untersuchungen. Den Blutbefund bekam ich gleich mit nach Hause und eines Nachmittags sah ich mir diesen genauer an. Alle Werte schienen absolut in Ordnung zu sein aber da war ein Wert, der mit einem * markiert war und deutlich außerhalb der angeführten Referenzwerte lag: der TSH Wert.

Bevor ich euch erzähle, was dieser Blutwert mit dem Kinderwunsch zu tun hat, kurz zum Thema Schicksal: Nur kurze Zeit später waren die Magenschmerzen verschwunden und tauchten auch nicht nochmals auf... wären sie nicht gewesen wären wir allerdings bestimmt noch lange nicht auf die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch gestoßen. (Jonathan Frakes würde jetzt fragen, ob diese Geschichte so wirklich passiert sein kann? Oder wurde sie von der Autorin dieses Blogs bloß erfunden... Ich sage euch: Sie ist wahr ;-))

 

Was der TSH Wert bzw. die Schilddrüse für den Kinderwunsch bedeuten

Eines vorweg: Ich bin keine Ärztin und versuche die Informationen, die ich mir zusammengetragen habe hier so wieder zu geben, dass ihr etwas damit anfangen könnt. Das ersetzt natürlich nie das Gespräch mit einem fachkundigen Arzt, der euch zu diesen Themen berät.

Ich konnte mich an den TSH Wert noch erinnern, da ich in der ersten Schwangerschaft ein leichtes Medikament verordnet bekam, um den TSH Wert (der aber ohnehin noch innerhalb der Referenzwerte lag) etwas niedriger zu bekommen. Mein Gynäkologe meinte damals, dass die Richtwerte in der Schwangerschaft etwas strenger seien und ich habe mich nicht weiter damit befasst. Er war mit der Entwicklung des Wertes sehr zufrieden und mir wurde gesagt, dass ich das ohnehin nur leichte Medikament nach der Geburt wieder absetzen könne, eben weil der Wert für Nicht-Schwangere absolut in Ordnung war. Damit war das Thema für mich durch.

Als ich dann den TSH Wert auf dem aktuellen Blutbefund sah, ließ er mich nicht mehr in Ruhe. Ich sprach mit einer Freundin, die an Hashimoto leidet und sie erzählte mir, dass ihr Arzt sie für ihre geplante Schwangerschaft (inzwischen hat sie ein gesundes, süßes Mädchen zur Welt gebracht) auf einen TSH Wert von 1 einstellte. Nun lag mein Wert weit über 5 und damit ihr versteht, was das bedeutet hier kurz zu den Referenzwerten (für NICHT Schwangere):

0,27 - 4,2 µlU/ml

(Andere Labore haben geringfügig andere Referenzwerte aber etwa in diesem Bereich sollte der TSH Wert für Erwachsene liegen) Ist der Wert zu hoch, liegt sehr wahrscheinlich eine Schilddrüsenunterfunktion vor, ist er zu niedrig spricht dies für eine Schilddrüsenüberfunktion.

Ich las viel dazu nach und kam schnell zu einer für mich sehr bedeutsamen Erkenntnis:

Bei Kinderwunsch und Schwangerschaft sollte ein TSH Wert von +/- 1 vorliegen.

Neben dem TSH Wert gibt es noch weitere Schilddrüsenparameter, die für die Schwangerschaft und den Kinderwunsch eine Rolle spielen, aber dazu verweise ich euch an einen Arzt (ft3, ft4 bzw. t3 und t4) Auch diese Werte können Hinweise für eine Schilddrüsenstörung geben.

Mit dieser Erkenntnis, zu der ich ohne dem Rat meiner Freundin und meiner Online-Recherche nicht gelangt wäre, und meinem Blutbefund machte ich mich auf den Weg zu meinem Gynäkologen.

"Mit diesen Werten ist eine Schwangerschaft nicht möglich"

Zu diesem Schluss kam mein Gynäkologe sehr schnell, als ich ihm meine Werte zeigte. Viele Frauen mit einer Schilddrüsenunterfunktion bekommen aufgrund dieser Hormonstörung gar keinen Eisprung und selbst wenn, ist der Eintritt einer Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich. Sollte es irgendwie trotzdem zu einer Schwangerschaft kommen, so könne der Körper diese nicht aufrecht erhalten und es würde zu einer Fehlgeburt oder starken Fehlbildungen des Babys kommen. Aufgrund der positiven Ovulationstests gehe ich schon davon aus, dass ich jedes Monat einen Eisprung hatte aber eine intakte Schwangerschaft entsprang daraus eben nie.
Der Gedanke daran, dass meine Schilddrüse unserer gewünschten Schwangerschaft im Weg stand war gleichzeitig ärgerlich und doch verspürte ich eine unfassbare Erleichterung. Es war natürlich nur ein Strohhalm an den man sich klammerte, wenn man sich so sehr ein Kind wünschte aber den nahm ich dankend an und hoffte, dass es wirklich nur daran lag. Ich bekam ein Schilddrüsenhormon verschrieben, welches ich ab dann täglich einnahm.

Das größte Glück beginnt oft klitzeklein

Nur wenige Wochen nachdem ich mit der Einnahme des Medikaments begonnen hatte, stand Silvester vor der Tür. Wir feierten wieder mit unseren besten Freunden und 2 Jahre zuvor haben wir ihnen ganz vorsichtig von unserem damals noch ganz frischen Glück erzählt, da sie natürlich skeptisch geworden wären, wenn ich nicht auf das neue Jahr angestoßen hätte. Den Test hatte ich damals einen Tag vor Silvester gemacht und er war bereits vor NMT positiv. 2 Jahre und unzählige negative Schwangerschaftstests später spielte ich am 31.12. mit dem Gedanken, erneut einen Test zu machen, da ich im Falle eines positiven Tests natürlich auch an diesem Silvester nichts getrunken hätte. Es war - wie schon 2 Jahre zuvor - noch ein paar Tage vor NMT und eigentlich kam ich mir blöd vor, schon wieder einen Test zu machen. Ich nahm die Tabletten doch erst seit ein paar Wochen. Und wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses wunderschöne Szenario auf den Tag genau 2 Jahre später wiederholen würde? Und doch konnte ich es nicht lassen und stand früh morgens auf um einen Frühtest zu machen. Ich hatte überhaupt keine Hoffnung und ärgerte mich schon in dem Moment als ich die Packung aufgerissen hatte darüber, schon wieder einen Test unnötig verbraten zu haben. Und dann..... dann war er plötzlich da. Dieser 2. Strich. Dieses hauchzarte Plus. Und ich fing an zu weinen.

 

Warum es also helfen kann, offen mit dem Kinderwunsch umzugehen

Hätte ich nicht mit meiner Freundin über unseren KIWU und den TSH Wert gesprochen, wären wir vermutlich nicht so schnell darauf gekommen, dass dieser das Problem war. Meinen Hausarzt hat der Wert offensichtlich nicht interessiert, da er sich vermutlich auf die Magenprobleme fokussiert hatte (oder einen schlechten Tag hatte oder keine Ahnung, er ist eben auch nur ein Mensch).

Durch den offenen Umgang mit dem Thema habe ich mir zwar unter Freunden und Familie einen größeren Druck aufgebaut, da auch diese förmlich auf meine Schwangerschaft gewartet haben. Gleichzeitig bin ich aber durch das Gespräch mit meiner Freundin auf eine mögliche Ursache (und ich denke auch der tatsächlichen Ursache) für unseren unerfüllten Kinderwunsch gestoßen.

Ob und wann man anderen Personen von seinem Kinderwunsch erzählt, sollte natürlich jeder für sich entscheiden. In diesem Beitrag geht es mir vor allem um Aufklärung zu einem Thema, das für den Kinderwunsch und die Schwangerschaft so unfassbar wichtig ist, aber dennoch noch nicht weit genug verbreitet ist. Die große Bedeutung einer gut eingestellten Schilddrüse ist so vielen Frauen nicht bekannt und gleichzeitig gibt es so viele Menschen, auch junge Frauen die unbemerkt daran leiden. Eine Unter- bzw. Überfunktion kann auch sehr kurzfristig entstehen (bei mir muss es auch binnen weniger Monate nach Davids Geburt passiert sein) sodass es theoretisch bei jeder Frau eine mögliche Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein kann.

Gerade Frauen, die vielleicht auch schon ein Kind haben, denken vielleicht gar nicht daran, dass es einen Grund für den unerfüllten Kinderwunsch geben könnte. 

 

Abschließend noch meine Bitte an euch: 

Verbreitet diese Information!

Wenn ihr jemanden kennt, von dem ihr vielleicht sogar wisst, dass es einen KIWU gibt, dann fragt doch einfach mal nach, ob die Person davon schon wusste. Ein einfaches Blutbild bildet diesen Wert im Normalfall ab, und sollte es Probleme geben, können diese schnell und effektiv mit Medikamenten eingestellt werden. Bestimmt bin ich nicht die einzige, die von der Bedeutung der Schilddrüse für den Kinderwunsch nicht wusste. Mir hat diese Information zu einem dicken Bauch verholfen, der mich inzwischen regelmäßig tritt und ich würde mir wünschen, dass dieser Beitrag auch anderen hilft.

 

Alles Liebe

Tina


1 Kommentar


  • Katharina

    Danke für deinen Blog Eintrag , find es toll das so etwas erzählst .
    Haben lange versucht schwanger zu werden knapp 3 Jahre bis dann doch plötzlich und unerwartet unsere kleine Maus angekündigt hat 😍
    Seit November 2018 sind wir endlich Mama und Papa .
    Deswegen haben wir gesagt wir machen gleich weiter , aber seit Monaten passiert nix 😳 trotz positiven Ovo Test und viel Spaß. Schilddrüse ist eigentlich gut eingestellt , ich denk ich muss doch noch mal alles genauer anschauen lassen .
    Naja und jetzt kurz und knapp , DANKE machst mir Hoffnung 😍❤️


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