Geburtsbericht (oder auch: 9 Minuten zu spät)

David schläft, Linda ist beim Papa in der Trage und ich finde endlich Zeit, den Geburtsbericht zu tippen. Eines kann ich euch vorweg verraten (Achtung Spoileralarm!): Diesen Bericht zu schreiben (obwohl die Wörter nur so aus mir heraussprudeln, weil ich damit auch das Erlebte verarbeite) dauerte länger als die Geburt selbst 🤣

Warum wir einen Einleitungskrimi erlebt haben...

Auch unsere kleine Linda hielt nicht besonders viel von ihrem ET, dem 9.9. und so wurden wir alle paar Tage zur Kontrolle in die Klinik bestellt. Am ET wurden sowohl ein CTG als auch ein Ultraschall gemacht und alles sah wunderbar aus. Es war laut der Ärztin noch sehr viel Fruchtwasser da und das Baby war beim CTG auch super aktiv. Drei Tage später (40+3) war ich eigentlich nur zur CTG Kontrolle in der Klinik und dort hieß es plötzlich, das Baby sei sehr ruhig, die Herztöne relativ schwach. Ich bekam sehr viel Süßes zu trinken, ein merkwürdiges Mittel zum Riechen, sollte mich viel bewegen aber auch nach über einer Stunde CTG konnten wir Linda nicht "mobilisieren". Da ich sie zu dem Zeitpunkt auch schon seit 2 Tagen nur sehr wenig gespürt habe war ich auf einmal total besorgt und teilte das auch der Hebamme mit. Sie war sehr verständnisvoll und organisierte dann doch noch einen Arzt für eine außerplanmäßige Ultraschallkontrolle. Beim Ultraschall hieß es dann, dass alles so weit in Ordnung aussehe, allerdings nur noch wenig Fruchtwasser da sei. Das hat mich total verwundert, weil ich 3 Tage zuvor doch noch so viel davon hatte, das hatte die Ärztin extra betont. Da mir nach Davids Geburt (Einleitung an 41+0) gesagt wurde, dass es mit der Einleitung kurz vor knapp gewesen sei, obwohl bei allen Untersuchungen zuvor immer alles in Ordnung war wurde meine innere Unruhe größer. Nach dem Gespräch mit dem Arzt hatten wir also 3 Optionen: Sofort einleiten, in den nächsten Tagen einleiten oder generell abwarten. 

Sofort einzuleiten erschien mir irgendwie überstürzt, allerdings wollte ich mit diesem mulmigen Gefühl auch nicht einfach nur zuwarten, immerhin waren wir ja auch schon 3 Tage über dem Termin. Wir entschieden uns also am nächsten Tag wieder zu kommen und dann "in Ruhe" mit der Einleitung zu starten.

Wir brachten David abends zu den Großeltern und machten uns am nächsten Morgen also wieder mit Sack und Pack auf den Weg in die Klinik. Dort wurde mit einem CTG gestartet und währenddessen versuchte die Hebamme uns total freundlich aber doch bestimmt von der Idee der Einleitung abzubringen. Wenig Fruchtwasser sei nach dem ET ja völlig normal und kein Grund für eine Einleitung. Das Baby würde schon wissen, wann es kommen soll. Wir sollten es doch erst einmal mit einem Wehencocktail und natürlicheren Methoden versuchen. Auch der an diesem Tag diensthabende Arzt war der Meinung die Einleitung "wäre komplett unnötig, aber wenn wir sie unbedingt wollen, dann machen wir halt", so erzählte es uns die Hebamme. Schon waren wir wieder verunsichert und besprachen uns während des CTGs nochmal. Ausnahmsweise durfte Mr. Right hierfür auch zu mir ins CTG Zimmer. Wir einigten uns also darauf, wenn heute alles einwandfrei wäre und es keinen Grund zur Sorge gäbe, dass wir nochmal nach Hause fahren würden und Linda doch noch ein bisschen Zeit geben würden. Prompt leuchtete das CTG Gerät rot auf und piepte wild vor sich hin. Die Hebamme war nicht da und es kam auch eine Weile niemand zu uns. Als sie später zu uns kam und das CTG sah, meinte sie dass die Herztöne während einer Wehe nicht in Ordnung gewesen seien. Entweder hätten sich meine Herztöne dazwischengemischt oder aber Linda habe wirklich sehr stark auf die Wehe reagiert. Ersteres wäre völlig unbedenklich, zweiteres ein klarer Grund nun auf jeden Fall einzuleiten. Als wir ihr sagten, dass wir uns eigentlich gerade zusammenpacken und nach Hause fahren wollten (das hatte sich mit dem Piepen aber erledigt), beriet sie sich nochmals mit dem Arzt. Als sie zurück kam ging plötzlich alles ganz schnell: Diese starke Reaktion am CTG ließ der Hebamme keine Ruhe und auch wenn sie glaubte, dass es nichts war, wollte sie mit der Einleitung starten. Wann? "Jetzt gleich!"

Was das für eine Achterbahn der Gefühle war, noch bevor die Geburt eigentlich losging muss ich euch ja bestimmt nicht erzählen....

 

"Sie können jetzt nach Hause fahren, wir rufen Sie an, wenn wir bei 4cm in den Kreißsaal wechseln"

Ohne weiter darüber nachzudenken warf ich mich also in mein Klinikhemd und das Bändchen und ein Venenzugang wurden gelegt (konkret eigentlich zwei, weil ich auch diesmal wieder verstochen wurde) und ein Corona Test gemacht. Damit war es auch für Mr. Right an der Zeit zu gehen und wir verabschiedeten uns. "Sie können jetzt nach Hause fahren, wir rufen Sie an, wenn wir bei ca. 4cm in den Kreißsaal wechseln" sagte die Hebamme noch zu ihm. Da war ich nun. Alleine, in völligem Gefühlschaos und voller Sorge, ob mit Linda alles in Ordnung war. Kurze Zeit später wurde mein Zimmer frei und die Wartezeit begann.

 

Trash TV in Dauerschleife

Den restlichen Tag werde ich nun wirklich kurz und knapp zusammenfassen, weil nicht viel passiert ist: Ich lag in meinem Zimmer und hielt Mr Right auf dem Laufenden. Da war nicht viel zu tun, denn bis zum Nachmittag spürte ich außer einem leichten Rumoren im Bauch nicht viel. Ab und zu wurde ich zum CTG geholt, das zwar Wehen anzeigte aber diese spürte ich noch nicht wirklich stark. Später sollte ich mich dann einfach wieder melden, wenn die Wehen stärker werden sollten. Gegen 15 Uhr verspürte ich zum ersten Mal "stärkere" Wehen, was eigentlich bloß bedeutete, dass ich nun erstmals wirklich etwas spürte. In sehr unregelmäßigen Abständen wechselten sich mittelstarke und erträgliche Wehen mit langen Pausen ab und ich beschloss das einfach mal eine Weile so zu lassen, bevor ich jemanden holen würde. In einer Art "Live-Ticker" habe ich Mr Right auf dem Laufenden gehalten während ich mich durch die Benzbaracken und sonstigen Trash TV schaute. Gegen Abend wurden die Wehen stärker und lt. WhatsApp Verlauf wollte ich gegen 21 Uhr zum CTG, weil die Wehen nun doch schon ziemlich stark wurden. An dieser Stelle muss ich noch erwähnen, dass inzwischen Schichtwechsel beim Personal war und die nun diensthabende Hebamme absolut gegen diese Einleitung war. Sie ließ mich von Anfang an spüren, dass sie es nicht gut fand und war auch nicht gerade sehr freundlich, dazu später aber mehr. Ich wurde mit einem "da hat sich noch nix getan, wir sind immer noch bei 1cm" abgespeist und ging wieder auf mein Zimmer.

 

Und plötzlich ging alles ganz schnell...

Die Wehen wurden binnen kürzester Zeit immer stärker und um 22:51 Uhr schrieb ich Mr Right dass ich noch ein bisschen durchhalten wolle, bevor ich nochmals jemanden rufen würde, damit ich nicht wieder abblitzen würde. Das war die letzte Nachricht die ich ihm geschrieben hatte...

Dann wurden die Wehen in kurzer Zeit plötzlich so heftig, dass ich ihm gar nicht mehr Bescheid geben konnte und gleich der Hebamme läutete. Sie war sichtlich verwundert darüber, dass ich nach so kurzer Zeit schon wieder meinte, es müsse sich etwas getan haben und so gingen wir wieder in den CTG Raum. Sie prüfte den Muttermund und meinte sichtlich genervt, es sei absolut nichts passiert, immer noch 1 cm. Ich krümmte mich inzwischen vor Schmerz auf der CTG Liege und wurde auch immer lauter beim Wehen Veratmen, um nicht zu sagen dass ich inzwischen sogar schon fast schrie. Die Hebamme gab mir zu verstehen, dass ich mich nicht so anstellen solle, das sei eben so bei Einleitungswehen. Die seien eben nicht natürlich und mein Körper und das Baby waren wohl nicht bereit für die Geburt. Da müsse ich jetzt eben durch. Wer eben unbedingt einleiten möchte (als hätten wir uns zum Spaß dafür entschieden...🙄), der müsse eben damit rechnen dass er Wehen hat, die zu nichts führen. Ich konnte vor lauter Schmerzen nicht mehr diskutieren und mir wurde kotzübel. Ich versuchte mich nicht zu übergeben und dachte mir schon im nächsten Moment, dass diese unsensible Hebamme es eigentlich verdient hätte, dass ich mich über ihren Schreibtisch übergebe. In den kurzen Pausen in denen ich nicht mit den Wehen schrie (das musste ich bei Davids Geburt übrigens überhaupt nicht, die Geburt war zwar nicht leicht und endete nach stundenlangen Presswehen mit der Saugglocke aber da hatte ich nicht annähernd solche Schmerzen) schrie ich sie an und meinte, dass das nicht sein könne. Ich könnte doch niemals so schlimme Schmerzen haben und der Muttermund soll immer noch unverändert sein. Ich sagte (brüllte), dass ich das nicht aushalten würde. Keinesfalls. Niemals. Bei David vergingen von diesem Stadium bis zu seiner Geburt noch über 12 Stunden. Das würde ich nicht aushalten. Dafür waren die Schmerzen einfach zu schlimm. Sie nahm mich erneut nicht ernst und meinte sie könne mir ja ein Zäpfchen geben, wenn ich wirklich meine, dass die Schmerzen so schlimm seien. Mir liefen die Tränen vor Schmerz und Verzweiflung und ich wünschte mir so sehr meinen Mr Right herbei. Hier war doch niemand auf meiner Seite. Wo war er bloß, mein Fels in der Brandung? Der saß zu Hause und bekam von alledem nichts mit. Mir fiel ein, dass ich ihm ja nicht mal Bescheid geben konnte, dass sich nun doch schon ziemlich viel tat. Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte kam auch schon die nächste Wehe und ich schrie inzwischen lauthals mit. Die Hebamme verschwand wieder für einen Moment und da war es wieder: Das rote Signal am CTG Gerät und die Alarmtöne. Es war nachts und in der Klinik war es sonst menschenleer in den Fluren. Ich hörte nur meine Schreie und die Warntöne des Geräts. Es verschwand wieder und bei der nächsten heftigen Wehe kurze Zeit später war es wieder da. Ich machte mir riesige Sorgen. Kurze Zeit später kam die Hebamme zurück und als ich ihr von dem Alarm erzählte meinte sie bloß, dass sich das Baby wohl einfach bewegt habe. Sie erbarmte sich aber und sah also nur wenige Minuten nach dem letzten Befund noch einmal nach dem Muttermund und sagte plötzlich, dass sich nun doch etwas getan habe. Wir seien nun bei guten 2cm und könnten nun langsam in den Kreißsaal wechseln. Ich sollte noch kurz aufs Zimmer und Mr Right Bescheid geben, dass er jetzt losfahren kann und dann in den Kreißsaal gehen. Verwundert über diesen so plötzlichen Sinneswandel machte ich mich auf den Weg.

 

00:03 Anruf Mr Right: "LOSFAHREN!!!"

Den Weg vom CTG Raum zu meinem Zimmer würde man normalerweise in ca. 10-15 Sekunden schaffen. Ich bin unter fast pausenlosen Wehen mehrfach zusammengekrümmt auf dem Boden gekauert, habe also mehrere Minuten gebraucht, bis ich um 00:03 endlich mein Handy in der Hand hielt und Mr Rights Nummer aus meinen Favoriten wählte. An das Telefonat kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, Mr Right meinte später ich habe bloß "LOSFAHREN!!!!" gerufen und aufgelegt. Nun hatte ich noch den Weg von meinem Zimmer in den Kreißsaal vor mir. Wieder habe ich für wenige Meter mehrere Minuten gebraucht und bin mehrfach vor den Zimmern der anderen Mamis zusammengesackt und habe den Flur entlang geschrien. Ich wunderte mich schon darüber, dass man mich in dieser Situation komplett alleine ließ, trotz meiner zu dem Zeitpunkt schon wirklich schlechten Verfassung. Später erfuhr ich den Grund dafür, als ich unsere Geschichte von einer total lieben Hebamme aus deren Sicht erzählt bekam. Den verrate ich euch noch. Im Kreißsaal angekommen schrie ich die Hebamme an, wann ich denn nun endlich mein Zäpfchen gegen die Schmerzen bekommen würde. Als sie mich da so durch die ganze Klinik schreien hörte, meinte sie bevor sie mir ein Schmerzmittel geben könne, müsse sie erst mal schauen, wie weit wir schon sind.

"Ihr Baby kommt jetzt"

"Es gibt kein Schmerzmittel mehr, Ihr Baby kommt jetzt"...

Bitte was? Die will mich doch verar***** oder?! Entschuldigt meine Ausdrucksweise aber ganz genau das waren meine Gedanken als die Hebamme plötzlich meinte, dass das Baby jetzt kommt. Ich lag doch vor wenigen Minuten noch im CTG Raum und wurde mit 1cm abserviert und als wehleidig und (wegen der Einleitung) "selbst schuld" abgestempelt. Was soll das dann plötzlich heißen, "Das Baby kommt jetzt?!" Und ich habe Mr Right doch gerade erst angerufen, der braucht doch jetzt noch ziemlich genau 20 Minuten bis er hier ist?! Das kann doch alles gar nicht sein? Und gleichzeitig flossen auch Tränen der Erleichterung, weil das natürlich bedeutete, dass ich diese höllischen Schmerzen wohl keine 12 Stunden mehr ertragen musste. Die Hebamme rief den Arzt an, er solle bitte schnell zur Geburt kommen und ich musste im selben Moment schon mitpressen. Kurz darauf war der Arzt schon da und die beiden meinten ich solle noch ein zwei Mal stark mit pressen und dann wäre sie schon da. Ich konnte das alles gar nicht glauben und tat was ich ohnehin tun musste, da der Drang zu pressen einfach so stark war. Dann kamen ein paar... wirklich nur eine Hand voll Presswehen und zack - da war sie: Linda war da! Ich dachte, ich sei im falschen Film und es flossen erneut Tränen, diesmal Freudentränen. Endlich war sie da. Und sie schrie. Oh Mann, wir hatten es geschafft. Linda und ich hatten es tatsächlich geschafft. Ganz alleine... #grlpwr

Um 00:03 war ich noch alleine durch die Klinik gekrochen um Mr Right anzurufen. Und nun war es 00:19! Oh, 00:19 .... das bedeutet, dass nun auch schon der 14.9. war!  David muss seinen Geburtstag nun also teilen.

"Gut dass wir eingeleitet haben"

Ich durfte ein bisschen mit Linda kuscheln bevor der Arzt im Anschluss an die Nachgeburt meine Verletzungen nähte. Ich wurde also genäht und mit dem Messen und Wiegen wollte man noch auf den Papa warten. Da lag ich also, unterhielt mich mit dem Arzt darüber, was er gerade tat (er war übrigens sehr freundlich und erklärte mir alles sehr detailliert.. ich fühlte mich in diesem Moment wirklich gut aufgehoben). Sonst war ja auch niemand da, mit dem ich mich unterhalten konnte, Linda war noch nicht sehr gesprächig und Mr Right vermutlich gerade schon in der Nähe des Parkplatzes. Und dann haute die Hebamme den Satz raus, für den ich erneut bereute, mich nicht über ihrem Tisch übergeben zu haben: "Gut dass wir eingeleitet haben. Es war kein Fruchtwasser mehr da. Als die Blase gesprungen ist (da fiel mir ein, ich habe diesmal wirklich gar nicht bemerkt dass sie sprang) kam da einfach nichts. Das wäre also wirklich nicht mehr lange gut gegangen". Ich traute meinen Ohren kaum. Der Drache, der mich ohne jeglichem Mitgefühl wegen der vermeintlich "unnötigen" Einleitung schreien ließ und mit ihren "Ist halt so, sie wollten ja unbedingt einleiten"-Kommentaren noch emotional auf mich eintrat, als ich eh schon am Boden lag... dieser Drache meint nun plötzlich, dass es gut ist dass wir eingeleitet haben?!? 

"Aha, na dann war die Einleitung also doch nicht so verkehrt, wie Sie mir die ganze Zeit einreden wollten!?" 

Ein kurzes "Nein, nein, das war schon gut." war alles, was ich als Antwort bekam. Egal, dachte ich mir. Wir haben es geschafft, Linda geht es gut, das war das einzige, was zählte.

Und dann war er endlich da, mein Mr Right. Ich glaube es waren 9 Minuten zu spät. Er konnte gar nicht glauben, dass hier schon alles erledigt war 🤣 Mr Right ging mit zum Wiegen und durfte die Kleine baden. Wir verbrachten noch 2 Stunden zu dritt im Kreißsaal und dann verabschiedeten wir uns erneut. Es war schon alles irgendwie surreal. Aber ich war glücklich. Und Mr Right war es auch. Obwohl er die Geburt verpasst hat (16 Minuten waren eben einfach zu kurz).

Viele von euch haben mich gefragt ob Mr Right traurig war, dass er die Geburt verpasst hat. Natürlich fand er es schade. Aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass die Geburt (und alles was an Schmerzen etc. dazu gehört) etwas ist, dass die Papas in erster Linie uns Mamis ersparen würden wenn sie könnten. Wenn sie es sich selbst auch ersparen können, dann ist das aber vielleicht auch kein Weltuntergang 😉

 

Mein Fazit

Wenn ich über diese Geburt nachdenke und darüber wie ich sie (auch im Vergleich zur ersten) empfand dann kann ich nur so viel sagen: Körperlich lief alles sehr viel schneller und reibungsloser als bei David. Die Schmerzen waren zwar unbeschreiblich und ich habe zuvor nichts Vergleichbares empfunden, auch nicht bei der ersten Geburt. Allerdings waren die Schmerzen ja auch wirklich sehr schnell vorbei und mir ging es auch danach schnell wieder sehr gut. Kein Vergleich zur ersten Geburt also, wo ich auch wochenlang danach eingeschränkt war.

Die Schwierigkeit bei dieser Geburt war eher emotionaler/mentaler Natur. Die Tatsache, dass die Hebamme mich so verurteilte und deshalb auch einfach nicht "auf meiner Seite" war und alles heruntergespielt hat. Und vor allem der Moment, als ich unter höllischen Schmerzen erfuhr, dass sich am Muttermund noch nichts getan haben soll waren mental unerträglich. Ich fühlte mich alleine, konnte den Schmerz kaum noch ertragen und dann sollte das noch nicht mal der Anfang gewesen sein? So verzweifelt war ich davor noch nie. Und Mr Right fehlte. Irgendjemand, der auf meiner Seite war, fehlte. Jemand, der mir geglaubt hätte, als ich gesagt habe dass der Schmerz unerträglich ist und dass es einfach nicht sein kann, dass sich hier so gar nichts tut. Davids Geburt zog sich über so viele Stunden und ich war kein bisschen wehleidig. Ich wusste, was mein Körper schafft und was nicht. Und dass er das nicht über Stunden schaffen würde, wusste ich. Zum Glück dauerte auch diese "Phase" nicht lange an, weil die Hebamme ja kurz darauf bemerkte, dass es nun doch von 0 auf 100 losging. Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich das ja noch nicht und malte mir aus, wie die nächsten Stunden verlaufen würden. 

Später erzählte mir eine super liebe Hebamme, dass unsere Geburt eine ziemliche Sensation war. Sie erzählte mir, wie meine Hebamme nach dem 2. CTG (ihr erinnert euch, 1cm zu Beginn, 2cm danach) zurück zum restlichen Personal kam und erzählt hatte, dass wir zwar halt mal in den Kreißsaal gehen würden, aber sich da "sowieso nix" tun würde. Minuten später hörten sie mich schon schreien und alle haben gefragt, wer hier denn schreien würde, es läge doch gerade niemand in den Wehen. Als dann noch der Arzt angerufen wurde (er saß auch in dieser Runde), er solle zur Geburt kommen war die Verwirrung bei allen perfekt. Niemand, wirklich niemand hat geglaubt, dass nur wenige Minuten nach dem CTG wo sich "sowieso nix tut" nicht nur die Wehen losgehen würden, sondern das Baby auch einfach schon da sein würde. Er kam ja gerade rechtzeitig zu den finalen Presswehen. Es war also alles in allem einfach eine unerwartet schnelle Geburt, mit der so niemand gerechnet hatte. Das war wohl auch der Grund, warum man mich einfach unbeaufsichtigt allein herumkriechen ließ. Dachte ja niemand, dass ich die Kleine fast noch auf dem Flur herausgepresst hätte 🤣

Hört immer auf euren Mutterinstinkt

Letztendlich bin ich einfach nur froh, dass alles gut gegangen ist. Das mulmige Gefühl, das mich dazu verleitet hatte, um die Einleitung zu bitten war offensichtlich genau richtig. Mehrere Hebammen und ein Arzt hatten die Situation falsch eingeschätzt und waren gegen die Einleitung. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es die einzig richtige Entscheidung war. Wir müssen uns darauf verlassen, dass Ärzte für uns die richtigen Entscheidungen treffen oder uns die richtigen Ratschläge geben aber manchmal ist das Bauchgefühl ein besserer Ratgeber als jeder Mediziner. Daher rate ich euch, immer auf euer Bauchgefühl zu hören und euch nicht beirren zu lassen. In unserem Fall hat es unserer kleinen Linda womöglich das Leben gerettet, hätte sie sich nicht schleunigst von selbst auf den Weg gemacht...

 

 


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