Auf den Mutterinstinkt ist Verlass

Ich dachte, ich hätte mich verschaut, als ich mir den letzten Blogbeitrag angesehen habe. Kaum zu fassen, dass David zu diesem Zeitpunkt gerade mal etwas über 3 Monate alt war!

In der Zwischenzeit sind wieder so unglaublich viele Dinge passiert, weshalb die Zeit einfach nur so vorbeizurasen scheint. Und ich finde gerade die Zeit, euch endlich einmal wieder ein bisschen auf dem Laufenden zu halten.

In diesem Beitrag fange ich doch mal beim gefühlt heißesten aller Mami-Themen an: dem

Stillen.

Oder eben Nicht-Stillen.

David war laut DER Entwicklungs-App (die fast alle Mamis kennen und nutzen) eigentlich gerade aus Sprung Nr. 4 raus und ich wollte drei Kreuze machen. Die letzten Wochen bis dahin waren so unglaublich anstrengend. David und ich waren schon über 5 Wochen lang nachts stündlich wach. Ja wirklich. Jede Stunde.

Um 22 Uhr.

Um 23 Uhr.

Um 0 Uhr.

Um 1 Uhr.

Um 2 Uhr.

Um 3 Uhr.

Um 4 Uhr.

Um 5 Uhr.

Um 6 Uhr.

Um 7 Uhr.

Und dann sind wir in den Tag gestartet, weil alles andere ohnehin keinen Sinn hatte und mein Nervenkostüm bloß noch weiter strapaziert hätte.

So eine Nacht hat eigentlich ganz schön viele Stunden, nicht wahr?

In manchen Nächten war ich so fertig, dass ich es geschafft habe, in dieser einen kurzen Stunde bis zum nächsten Gebrüll auch wirklich wieder einzuschlafen. In den meisten Nächten ist mir das jedoch nicht gelungen und so war ich ganz schön lange als „Mombie“ unterwegs. Es waren ja auch schon wirklich viele komplett schlaflose Nächte für mich. Aber auch für David. Ist mir echt bis jetzt ein Rätsel, wie er das geschafft hat, denn auch tagsüber hat er so gut wie nicht geschlafen. Nur unterwegs vereinzelt ein paar Halb-/Stunden (wo ich leider nicht schlafen konnte).

So, nun war der Schub nach 5 qualvollen Wochen also angeblich vorbei, doch es trat keine Besserung ein. Die Nächte blieben katastrophal. Tagsüber war zu dieser Zeit aber noch alles in Ordnung. Dann waren es schon über 6 Wochen und plötzlich begann es auch tagsüber wirklich schwierig zu werden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch voll gestillt und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass David nicht mehr satt wurde. Woran ich das gemerkt habe, erkläre ich euch später noch. Da er auch schon einige Beikostreifezeichen erfüllt hat, haben wir es zunächst mit Brei versucht. Und wer unsere Story hier mitverfolgt, weiß, dass David seinen Brei total geliebt hat. Auf Anhieb hat ihm der Brei geschmeckt und er konnte gar nicht genug davon bekommen. Und ich dachte mir, nun würde alles besser werden. Das war auch eine Zeit lang so, zumindest tagsüber. 

„Mach dir keine Sorgen, wir beobachten das...“

Kurz darauf stand der nächste Kinderarztbesuch an. David wurde voll gestillt und hat anfangs super gut zugenommen. Wir waren mit einem Gewicht von rund 3,5 kg gestartet und er brachte nach nur wenigen Wochen bereits 5,5 Kilogramm auf die Waage. Bereits beim letzten Kinderarzttermin hatte der Kleine aber in über einem Monat „nur“ 300g zugenommen. Also von 5,5 auf 5,8 Kilo. Seit diesem Termin hatten wir aber nun neben dem Stillen mit Beikost begonnen und ich hatte gehofft, dass wir die 6 Kilo-Marke im nächsten Monat mit Leichtigkeit knacken würden. So war es leider nicht. Es war wieder über ein Monat vergangen und David stand weiterhin bei 5.8 Kilo. KU und Länge waren zwar etwas gewachsen, das Gewicht stand aber bereits seit über 2 Monaten nahezu still. Besorgt habe ich natürlich der Kinderärztin erzählt, dass wir bereits mit Beikost gestartet hatten und wollte wissen, ob es denn „normal“ sei, dass er plötzlich nichts mehr zunahm obwohl wir sogar mit Beikost begonnen hatten. Die Kinderärztin war sehr entspannt und meinte, ich solle mir keine Sorgen machen. Wir könnten es ruhig noch einige Wochen beobachten.

Obwohl ich die Kompetenz der Ärztin keine Sekunde anzweifle, konnte sie mir meine Sorgen nicht nehmen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. In den nächsten Tagen wurde es auch tagsüber immer deutlicher, dass ich mit meinem Gefühl wohl auch richtig lag. Obwohl ich David lange angelegt habe, hat er wirklich immer gebrüllt, sobald ich ihn abdocken ließ.

 „Der clustert bestimmt nur...“

An dieser Stelle an alle Still-Fans die mir daraufhin gesagt haben: „Der clustert bestimmt nur, du kannst auf jeden Fall weiterhin voll stillen.“ Danke für diesen Rat. Nach knapp 5 Monaten Voll-Stillen habe ich es nämlich noch nie erlebt, dass mein Baby clustert. *Sarkasmus off*

Natürlich kenne ich Clustern und ich weiß, dass mein Kleiner manchmal einfach nur meine Nähe braucht. Manchmal aber eben auch nicht. Wir haben eine sehr enge Bindung und ich traute mir zu diesem Zeitpunkt längst zu, selbst am besten zu wissen, was mein Baby braucht. Und für mich war klar: Er hat immer noch Hunger. (Ganz abgesehen davon, dass man als Stillende auch selbst die eine oder andere Veränderung am Körper bemerkt).

„Vielleicht ist deine Milch nicht mehr gut genug...“

Das ist dann übrigens die andere Fraktion der Ratgeber. Diese Tippgeber haben aber bereits viel früher (noch lange bevor ich das Gefühl hatte, dass er nicht satt wird) immer wieder mal wieder die Qualität bzw. Reichhaltigkeit meiner Muttermilch ...sagen wir mal „höchst qualifiziert aus der Ferne beurteilt“. Meistens kamen diese Ratschläge von Vertretern der Generation Großeltern, wenn nicht sogar der Urgroßeltern des Kleinen. Es ist die Art von Tippgebern, die an das „Der hat wahrscheinlich Bauchweh“ fast nahtlos mit dem Milch-Thema anschließen. 

Auch bei diesen Tippgebern bedanke ich mich an dieser Stelle für die gut gemeinten Ratschläge. Aber auch wenn ich mich wiederhole: Bestimmt wisst ihr besser, was mein Baby braucht als ich als Mama, die 24/7 für den Zwerg da ist.

Der Griff zur Flasche...

Nein, nicht so wie ihr vielleicht denkt, obwohl ich nicht nur einmal daran gedacht habe, wie gut eine Flasche Wein (ja Flasche, nicht Glas haha) jetzt wäre. Ich hatte beschlossen, keine wochenlangen Experimente zu machen (wie es die Ärztin ja mit dem Zuwarten abgesegnet hatte) und wollte mit dem Zufüttern beginnen. Eigentlich erlebte ich David zu diesem Zeitpunkt ja fast nur noch weinend und ich wollte nichts unversucht lassen, um ihn wieder glücklich zu sehen. Die ersten Versuche scheiterten schon einmal kläglich. David weigerte sich, aus dem Fläschchen zu trinken. Mein erster Gedanke war, dass er dann ja wohl nicht hungrig sein könne, wenn er die Flasche verweigert. Den Gedanken habe ich aber schnell wieder verworfen, weil ich weiß, dass David trotz seines sehr zarten Alters bereits sehr hohe Ansprüche hat. Ich wusste ja auch, dass ihm keine der 17 Schnullermarken gut genug war, bis wir die 18. probiert hatten, die er ab und zu akzeptiert. So holte ich mir von der lieben Mami von Davids „falscher Zwillingsschwester“ (die beiden sind fast auf die Minute genau gleichzeitig im selben Krankenhaus geboren worden und wir haben uns bereits als werdende Eltern im Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt) einen Tipp und wechselte sowohl die Pulver- als auch die Flaschenmarke. Und plötzlich klappte es. Ich habe David immer zuerst lange an der Brust trinken lassen und ihm danach das Fläschchen angeboten (auch um zu sehen, ob er überhaupt noch Hunger hat, nachdem er bei mir getrunken hat). Er hat die Flasche binnen weniger Minuten gierig bis zum letzten Tropfen ausgetrunken (heute hingegen lässt er mir fast immer ein „Anstandslackerl“ in der Flasche hihi). Clustern hin oder her, der Kleine hatte nach dem Trinken immer noch riesigen Durst, der wohl nur noch mit der Flasche gelöscht werden konnte. Wir haben es ja auch schließlich lange genug erfolglos ohne versucht.

 

Wie ausgewechselt...

Seitdem ist mein kleiner Wonneproppen wie ausgewechselt. Er ist quietschvergnügt und spielt fröhlich vor sich hin (meistens jedenfalls :-) )

Aus Zufüttern wurde binnen kürzester Zeit Abstillen. Das war aber auch in Ordnung für mich, denn die Hauptsache war ja, dass es dem Zwerg gut geht. Das bisschen „Restmilch“ (so fühlte es sich für mich zumindest an) war schnell verflogen, auf einer Seite sogar binnen weniger Tage. Ein Tipp einer lieben Freundin mit einer homöopathische Unterstützung hat dann noch bei der zweiten Seite etwas nachgeholfen aber im Großen und Ganzen hat es alles sehr gut und problemfrei geklappt, ohne dass ich großartig eingreifen musste. Auch David hat das Stillen nicht wirklich vermisst. Ich vermute, weil es ihn ohnehin nicht mehr zufriedengestellt hat. Beim Fläschchen geben wird aber auch gekuschelt und ich glaube, es fehlt ihm einfach an nichts. Zusätzlicher Pluspunkt ist natürlich, dass auch Mr. Right jetzt ab und zu zum Fläschchen greift und das ist für beide super schön.


Wir hatten noch nicht den nächsten Kontrolltermin aber an seinen süßen Bäckchen und den Speckröllchen an den Armen und Beinen lässt sich schon erkennen, dass David wohl endlich wieder ein wenig zugelegt hat. Mit dem Brei haben wir übrigens wieder aufgehört, da er seit dem Fläschchen das Interesse daran verloren hat. Er gibt uns bestimmt ein Zeichen, wenn er wieder so weit ist.

Und jetzt bitte alle Mamis, deren Nächte so katastrophal sind wie unsere es waren, unbedingt den folgenden Absatz überlesen.

Seit David sein Fläschchen trinkt schläft er DURCH. Das heißt also mit wenigen Ausnahmen (und diese bedeuten einmal wach werden in der Nacht und nicht 10 Mal) schläft er seit mehreren Wochen zwischen 8 und eher 10 Stunden am Stück. Das hätte auch ganz anders laufen können, das ist mir natürlich bewusst. Aber ich erzähle euch hier wie es bei uns gelaufen ist, und so war es nun einmal. Das soll nicht heißen, dass ich den müden Mamis da draußen zum Abstillen rate, ganz bestimmt nicht.

Weil der Mutterinstinkt am besten funktioniert

Was ich an dieser Stelle einfach unbedingt loswerden möchte: Hört unbedingt auf euer Bauchgefühl. Der Mutterinstinkt funktioniert so viel besser als jeder noch so gut gemeinte Rat von Außen- bzw. „Äußerststehenden“. Hätten wir auf die Ratschläge von anderen gehört, hätten wir so viel früher als notwendig abgestillt oder würden - im anderen Fall - den Kleinen wohl heute noch Hunger leiden lassen, nur weil voll stillen zumindest für 6 Monate doch "das Beste" für das Baby ist.

Egal ob Stillen oder Fläschchen – macht es so, wie ihr es für richtig haltet. Euer Baby zeigt euch sicher den richtigen Weg und jetzt mal Hand aufs Herz: So ein Eltern-Dasein ist doch für alle ein Trial & Error Lernen. Wir hätten auf jeden Fall noch weiter gestillt, wenn es anders gelaufen wäre, aber man muss die Dinge nun einmal so nehmen wie sie kommen und das Beste daraus machen. Und wir sind jetzt super zufrieden und glücklich!

 

 

 

 

 

 


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